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Sakroiliitis

Bei der Sakroiliitis handelt es sich um eine äußerst schmerzhafte Entzündung des Iliosakralgelenks. Dieses befindet sich im Kreuz, zwischen dem Kreuz- und Darmbein. Im Vergleich zu den anderen Gelenken hat es einen sehr kleinen Bewegungsradius. Lagebedingt ist es zudem einer großen Belastung ausgesetzt.


Was ist eine Sakroiliitis?

Bei der Sakroiliitis ist das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk entzündet. Während das Darmbein ein Teil des Beckens ist, handelt es sich beim Kreuzbein um einen unteren Teil der Wirbelsäule. Das Iliosakralgelenk ist der Ort, wo sich das Becken und die unteren Wirbelsäule verbinden. Die Entzündung kann beispielsweise zu Schmerzen im unteren Rücken sowie am Gesäß führen. Zum Teil kann sich dies sogar auf ein oder beide Beine ausweiten. Die Schmerzen werden durch verschiedene Tätigkeiten wie ein langes Stehen oder ein Treppensteigen noch verstärkt. Die Sakroiliitis kann in verschiedene Stufen eingeteilt werden:

  • Stufe 1: Es liegen verdächtige Veränderungen vor.
  • Stufe 2: Umschriebene Erosionen, bei einer normalen Gelenkspaltweite und/oder subchondrale Sklerosierungen,
  • Stufe 3: Deutliche Erosionen sowie Gelenkspalterweiterung und/oder -verschmälerung, Ankyloseknospen können bereits vorliegen
  • Stufe 4: Knöcherne Versteifung (Ankylose)

Die Sakroiliitis ist gewöhnlich keine eigenständige Krankheit, sondern resultiert meist aus einer anderen Grunderkrankung.

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Entzündung der Iliosakralgelenke (Sakroiliitis).


Ursachen

Die Sakroiliitis kommt nur extrem selten als allein stehende Erkrankung vor. In der Regel handelt es sich um eine Folgeerkrankung bzw. Komplikation einer bestehenden Grunderkrankung. Dazu gehören:

  • Morbus Bechterew
  • Morbus Reiter
  • Morbus Behcet
  • Psoriasisarthritis
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Krankheiten, die mit der Sakroiliitis einhergehen, sind häufig verschiedene rheumatische Erkrankungen. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind oftmals der Auslöser für eine Sakroiliitis. Welche Faktoren letzten Endes vorliegen müssen, dass sich eine Sakroiliitis entwickelt, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, allerdings liegt auch eine genetische Disposition vor.


Wann zum Arzt?

Bei ungewöhnlich starken Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäß sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Besteht der Verdacht einer Sakroiliitis muss ein Arzt weitere Untersuchungen durchführen und eine Behandlung einleiten. Leidet der Betroffene unter Schmerzen beim Gehen, Laufen, Sitzen, leichten Drehbewegungen, Treppensteigen oder Stehen, benötigt der Organismus eine medizinische Versorgung. Nehmen die Beschwerden zu oder werden die Zeitabstände bis zum Einsetzen der Schmerzen kürzer, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Die Einnahme von Schmerzmedikamenten sollte mit einem Arzt besprochen werden. Häufig treten weitere Beschwerden ein, die im Vorfeld abgeklärt werden müssen. Breiten sich die Schmerzen in den mittleren oder oberen Rücken sowie die Beine aus, ist ein Arztbesuch notwendig. Treten Hautveränderungen oder Gefühls- sowie Sensibilitätsstörungen auf, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.

Bei starkem emotionalen Stress, Überarbeitung oder einer psychischen Überlastung kann sich eine Sakroiliitis einstellen. Eine psychosomatische Erkrankung kann in diesen Fällen vorliegen. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn der Betroffene Hilfe für die Linderung seiner emotionalen Probleme in Anspruch nehmen möchte. Treten erste Formen der Versteifung auf, kommt es zu Veränderungen der Bewegungsabläufe oder einer Schiefstellung des Beckens sowie des Rückens, muss ein Arzt aufgesucht werden. Das Risiko dauerhafter Schäden steigt ohne eine entsprechende Behandlung.


Symptome und Verlauf

Die Schmerzen treten bei der Sakroiliitis am häufigsten im Gesäß und unteren Rücken auf. Teilweise kann die Entzündung zudem Auswirkungen auf die Leiste, Beine und Füße haben. Die Schmerzen können akut, aber auch chronisch sein. Zunächst einmal werden sie von vielen Betroffenen allgemein als Rückenschmerzen bezeichnet, allerdings zeigen sich bei einem genaueren Nachfragen sowie Untersuchungen feine, aber deutliche Unterschiede. Aufgrund dieser Verallgemeinerung könnte nach aktuellen Studien bei rund 20 Prozent aller chronischen Rückenschmerzen tatsächlich Sakroiliitis der Auslöser sein. Die Schmerzen können bei der Sacroiliitis durch folgendes verstärkt werden:

  • Längeres Stehen
  • Auf einem Bein ist mehr Gewicht verlagert als auf dem anderen
  • Laufen, insbesondere unter großen Schritten
  • Treppensteigen

Die Sakroiliitis kann außerdem eine Rötung und Schwellung in diesem Bereich des Körpers verursachen. Viele Patienten haben auch Sitzbeschwerden, die oftmals zu einer einseitigen Sitzhaltung führen. Die Sakroiliitis zählt zu den chronisch-progredienten Entzündungen. Dies bedeutet, dass die Entzündung nicht mehr gänzlich zu heilen ist. Im Laufe der Zeit nimmt die Erkrankung an Schwere eher zu. Durch eine konsequente Physiotherapie kann heutzutage eine Schwerbehinderung jedoch meist verhindert werden.


Diagnose

Um die Sakroiliitis zu diagnostizieren, spielen die Entstehungsgeschichte der Beschwerden (Anamnese), die Symptome, die Lokalisation der Schmerzen und wohin sie ausstrahlen sowie die Einschränkungen für den Patienten eine entscheidende Rolle. In der körperlichen Untersuchung wird die Schmerzverteilung überprüft und eingegrenzt. Beim so genannten Provokationstest übt der Mediziner durch bestimmte Bewegungen Belastungen auf das Gelenk aus, die bei einer Erkrankung typische Schmerzen auslösen oder verstärken. Dies gilt als wichtiger Hinweis.

Im weiteren Verlauf können unter einer Röntgen- oder CT-Kontrolle Injektionen in das Gelenk durchgeführt werden. Damit ist es möglich, zu testen, ob die Schmerzen für die Wirkdauer des Betäubungsmittels abzuschalten sind, was ebenso ein Hinweis wäre, dass die Sakroiliitis vorliegt. Zu den weiteren diagnostischen Maßnahmen gehören eine Computertomographie des Gelenks sowie die Anfertigung einer Kernspinaufnahme der Wirbelsäule. Damit können andere Erkrankungen ermittelt oder ausgeschlossen werden, die sich zum Beispiel aus der Wirbelsäule ergeben.

Auf dem Röntgenbild lassen sich Veränderungen jedoch erst nach etwa acht Jahren Krankheitsdauer nachweisen, während das MRT eine frühere Diagnose erlaubt. Wurde eine Sakroiliitis diagnostiziert, ohne dass im Vorfeld eine der genannten Grunderkrankungen festgestellt werden konnte, ist eine weiterführende Diagnostik wichtig, um diese zum Teil schwerwiegenden Krankheiten rasch zu therapieren.


Behandlung und Therapie

Die Therapie der Sakroiliitis beläuft sich in erster Linie auf einer konsequenten und fachmännischen Physiotherapie sowie der Linderung der Schmerzen. Der Patient sollte zudem eine Anleitung erhalten, um auch zu Hause regelmäßig Gymnastik durchführen zu können. Für die Behandlung der Schmerzen werden vorwiegend nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verabreicht. Dazu gehören zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac. Diese Schmerzmittel sollten jedoch nur bei Bedarf und zeitlich begrenzt genommen werden.

Eine weitere Möglichkeit sind Kortikosteroide, die zeitweise eingesetzt werden können. Diese werden oftmals verabreicht, wenn andere Medikamente die Schmerzen nicht lindern. Die Kortikosteroide können ebenso direkt in die Iliosakralgelenke injiziert werden. Weitere entzündungshemmende Medikamente, beispielsweise Sulfasalazin oder Biologicals, werden ebenso im Rahmen der Behandlung einer Sakroiliitis genutzt. Welche Mittel sinnvoll sind, ist auch davon abhängig, aus welcher Erkrankung die Sakroiliitis resultiert.

Bei einer sehr fortgeschrittenen Erkrankung kann eine operative Therapie manchmal die letzte Möglichkeit sein. Dabei müssen jedoch die Vor- und Nachteile genau abgewägt werden. Ist die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff gefallen, kommen eine Aufrichtungs-OP oder ein Gelenkersatz infrage. Vorrangig ist allerdings stets die konservative Behandlung mit einer Schmerzmedikation, einer manuellen und speziellen Physiotherapie und nach Möglichkeit einer Umstellung der vorhandenen Belastungsfaktoren. In einer Schmerzklinik werden noch ergänzende Methoden zur Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:

  • Schmerz-Akupunktur
  • Hochtontherapie
  • Physiotherapie wie Krankengymnastik oder andere Anwendungen
  • Wärme und/oder Kälte
  • Entspannungsverfahren
  • Hypnoide (bewusstseinsverändernde) Verfahren, zum Beispiel autogenes Training oder progressive Relaxation (PME)
  • Schmerzbewältigungstraining

Wenn bereits über einen längeren Zeitraum chronische Schmerzen bestehen, muss davon ausgegangen werden, dass mittlerweile der Grad II oder sogar III vorliegt. In diesen Fällen ist eine Behandlung, die nur auf den Körper bezogen ist, oftmals nicht mehr ausreichend, sodass meist zusätzlich noch psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten. Solche Behandlungen sind allerdings ambulant nur selten möglich, denn nur sehr wenige niedergelassene Psychologen verfügen über eine entsprechende Weiterbildung im Bereich spezielle Schmerzpsychotherapie.


Vorbeugung

Abhängig von der Grunderkrankung ist die Sakroiliitis oftmals nicht vorzubeugen. Es ist eine Veränderung oder Vermeidung der Aktivitäten möglich, die zur Entzündung im Iliosakralgelenk und den daraus resultierenden Schmerzen beitragen. Zudem ist die richtige Körperhaltung wichtig. Das Gleiche gilt für eine optimal ausgeführte Technik bei den verschiedenen Sportarten, die ebenso zu einer Sakroiliitis führen können.


Quellen

  • http://gesundpedia.de/Hauptseite
  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014 Von „http://gesundpedia.de/Sakroiliitis